Karlsbader Tracht
(beschrieben von Christa und Hermann Sehr)
Die Tracht der Karlsbader Landschaft zählt zu den Unterländer Trachten. Von Ort zu Ort wurde sie unterschiedlich gestaltet.
Das Hemd ("Hemmad") wird aus feinem Leinen angefertigt. Für Hals- und Ärmelkrausen werden Leinen- und Baumwollspitzen verwendet. Die Bauschärmel und alle Weißstickerei werden gut gestärkt getragen. Das Leibchen ("Leiwl") ist aus mattem Satin oder aus Samt. Ein besonderes Merkmal ist das gezogene Bauernband am vorderen Ausschnitt. Das Leibchen kann mit "Flinnala" und Goldborten verziert werden und wird mit einer Erbsenkette verschnürt. Die Schürze ("Fürta") ist bunt geblümt (Rosenmuster) und aus Brokat oder Seide. An der hinteren Bundmitte wird eine Schürzenschleife ("Oa maschn") aus breiten Bauernbändern getragen. Der Rock ("Kiedl") wird aus einem dunklen, changierenden Wollstoff angefertigt. Als Unterwäsche werden ein Unterrock und eine lange Unterhose aus weißer Baumwolle getragen.
Zur Tracht werden weiße, handgestrickte Strümpfe ("Strümpf") getragen. Am beliebtesten ist das Batzerlmuster, gerne trägt man auch das Pfauenschweifmuster. Dazu trägt man einfache Schnallenschuhe ("Schouh"). Ein kleines Schultertuch ("Schultertöichl"), bekannt als "Tiroler Töichla", schmückt die Trägerin. Das große Umschlagtuch kann über die Schulter gehängt werden und somit den Mantel ersetzen.
Dazu wird gerne eine reiche Halskette ("Hals-Ghäng") getragen. Die Haube war früher aus Silbergeflecht, konnte aber auch aus feuervergoldetem Material hergestellt sein. An der Rückseite der Haube werden seidene "Guckernbänder" (Cocardeband) aufgenäht, die zu einer großen Schleife gebunden werden und über den Rücken herabhängen.Abbildung: Trachtenberaterin Hermine Bender in Karlsbader Tracht (Foto: Erich Rudel)
Die Egerer Tracht
(beschrieben von Christa und Hermann Sehr)
Die erneuerte Frauentracht aus Eger (Cheb) wurde Mitte der 1930er Jahre unter der Leitung von Josef Hanika erarbeitet.
Die Bluse ("s'Hemmad") aus weißem Leinen oder Baumwollstoff weist einen geraden Hemdschnitt mit weiten Ärmeln auf. Am eingereihten Halsausschnitt hat sie ein Stehbündchen, das ebenso wie die Achselnaht mit Stickereien (Hexenstich, Kettstich, Fischgrätenstich) in blau und gelb verziert ist. Den kunstvollen Ärmelabschluß bildet das "Muadl" oder "Gnahwrik" aus weißem Leinen mit aufwendigen Stickereien.
Das Mieder ("Leiwl") ist aus einem leichten, grünen oder blauen Wollstoff hergestellt. Eine Besonderheit ist das auffallend schmale Rückenteil mit dem darauf gestickten Lebensbaum. Unter dem Lebensbaum sind die "Guckern-Bandl" als Ersatz für die Schürzenbänder angebracht.
Der Rock ("Kiedl") aus rotem Wollstoff oder Mischgewebe wird ergänzt durch eine Schürze ("Fürta") aus schwarzer Seide, Halbseide oder mattem Satin. Darunter wird die Unterwäsche ("Untazöihzeich") aus weißer Baumwolle getragen.
Auch zu dieser Tracht gehört ein großes, gefranstes Brusttuch ("Brusttöichl") mit Rosenmuster sowie ein Kopftuch ("Kuapftöichl") mit demselben Muster. Ein weißes Spitzentüchlein ("Taschentöichl") ergänzt die Tracht. Auffallend sind die weißen Strümpfe ("Strümpf") mit Batzerlmuster, Pfauenschweifmuster oder ähnlichem. Dazu werden schwarze Schnallenschuhe ("Schouh") getragen.
Auch bei der Egerer Männertracht handelt es sich um eine 1936 erneuerte Tracht. Die Pumphose ("Huasn") aus schwarzem Tuch wird durch die Hosenträger ("Gschirr") aus schwarzem Leder gehalten. Das Geschirr schmücken drei große, achteckige "Huasnoa(n)toutara" (Hosenknöpfe) aus feuervergoldetem Messing. Sie sind zum Erkennungszeichen der Egerländer geworden. Das rotweiße Taschentuch wird sichtbar an der Hose getragen. Zur Hose wird ein weißes Leinen- oder Baumwollhemd ("Hemmad") mit Stehkragen getragen, das durch ein schwarzes Halstuch ("Halstöichl") ergänzt wird. Die Jacke ("Goller") besteht aus rostbraunem Tuch. Auffallend ist der Hut mit dem sogenannten Holzstoß ("Flodara"). Er besteht aus schwarzem Filz mit Seidenbändern.
Auch der Mann trägt weiße Batzerlstrümpfe und dazu entweder schwarze Schnallenschuhe oder Stiefel.
Trachtenberater Christa und Hermann Sehr in Egerer Tracht
Informationen zum Egerland:Bund der Egerländer Gmoin
Bund der Deutschen - Landschaft Egerland

Abb. 1: Die Chotieschauer Frauentracht, Lochutzen 1944.
Auf dem Bild: Marie Storch aus Lochutzen in der Tracht der Altbäuerin Sadlo aus Horschikowitz. (Abb. aus: Storch, Heimattracht, in: Der Heimatkreis Mies, 1962, S. 224; Fotograf: Martin Storch); Abb. 2: Bauer aus der Chotieschauer Gegend im langen Pelz, vor 1932 (aus: Hoffmann, Deutsche Volkstrachten und Volksbräuche, 1932, S. 218; Fotograf unbekannt)
Die Bewohner der Industriestadt Pilsen trugen im späten 19. und
frühen 20. Jahrhundert keine Tracht mehr. Über mögliche ältere
Stadttrachten wurden bislang keine Beschreibungen publiziert. Schon in
den 1830er Jahren kamen Trachten offenbar nurmehr im Umland vor. Johann
G. Sommer, der Topograph Böhmens, berichtet 1838 über den Kreis Pilsen:
Eigenthümliche Trachten beim Landvolke haben sich in mehren Gegenden, sowohl bei den böhmischen als teutschen Bewohnern erhalten. Ziemlich allgemein herrschend sind beim weiblichen Geschlechte rothe Strümpfe, sonst aber unterscheiden sich die Trachten verschiedener Gegenden merklich voneinander.Das städtische Umland war nur im Südwesten (Chotieschauer Gebiet) von deutschsprachiger Bevölkerung bewohnt. Chotieschau und auch das westlich angrenzende Kladrau waren bis ins späte 18. Jahrhundert klösterliche Grundherrschaften. Dies trug vielleicht dazu bei, daß die Bevölkerung ihr traditionelles Kleidungsverhalten relativ lange beibehielt: Die Männertracht war bis ins ausgehende 19. Jahrhundert präsent. Die Frauentrachten wurden vereinzelt sogar bis zur Zeit der Vertreibung getragen. Zudem gab es nach 1938 Versuche zur Trachtenerneuerung.